OÖ Nachrichten, 6.3.2002
MusikKritik
Die Spektren ausgelotet
VON IRENE JUDMAYER
"GrenzenLOS" nennt der Freistädter Komponist Hannes Raffaseder seine zeitgenössische Projektreihe für das Linzer Brucknerhaus. Am zweiten Abend des interessanten Forums wurde dieser Titel mitunter ad absurdum geführt: An Grenzen stoßen Komponisten nicht immer erst in der Konfrontation mit dem Publikum, sondern oft bereits im eigenen Denken. So bleibt etwa Raffaseders "Windspier' berechenbar und illustrativ: Marimbaphon und Oboe malen Klänge des im Feng-Shui-Zeitalter zu inflationären Ehren gekommenen Mobiles nach. Manchmal gibt's pentatonische Ausflüge in asiatische Gefilde, manchmal wird die Oboe ohne Klang durchgeblasen und das Wortspiel von der lauen Luft liegt - ebenso beim linear umgesetzten Titel "in Stille AUFSCHREI" - gefährlich nahe.
Mehr gedankliche Kontras und somit kompositorische Substanz bietet "lettura/rilettura" vom Linzer Gerald Resch. Es leitet über zu dem mehrsätzigen Prachtstück "Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien" vom WeIser Helmut Schmidinger: Klangfarben von Cello und Perkussion werden trickreich ausgelotet, in die Geräuschextase getrieben und luftigen Melodien gegenübergestellt. Diese Meisterschaft zeigt sich auch in Schmidingers "Gesang zwischen den Stühlen", einer "sachlichen Romanze für Klarinette, Cello, Klavier". Ein Trialog instrumentaler Eigenheiten, abwechselnd in Soli und Trios geführt. Der "Pan für Oboe solo" vom Vorarlberger Michael Amann rankt sich dann rund um einen durchlaufenden Kammerton, skizziert geschickt das Faunische - leitet jedoch kaum zum Schrecken, zur angekündigten Pan(ik)-Attacke.
Gelungen ist Raffaseder mit seiner Konzeption jedenfalls das Ausloten: von Möglichkeiten. Das dafür engagierte "Ensemble Spektren", mit Markus Lindner, Susanne und Wolfgang Reifeneder, der exquisiten Cellistin Ellsabeth Ragl, Peter Tavernaro und dem fulminanten Klarinettisten Werner Mayrhofer, war ihm dafür ein höchst engagiertes und virtuoses Medium.
Kronen-Zeitung, 6.3.2002
„grenzenLOS" im Brucknerhaus:
Suchen und realisieren
Zweiter Abend der Serie "grenzenLOS" im Linzer Brucknerhaus: "Komponieren" als unverdrossenes Suchen nach Neuzusammenstellungen kurzer, langer, hoher, tiefer, lauter und leiser Töne nach Normen, die für den Zuhörer manchmal nachvollziehbar, oft aber undurchschaubar sind. Freilich, allein das Suchen zählt. Die komponierenden Sucher: Hannes Raffaseder, Gerald Resch, Michael Amann und Helmut Schmidinger. Die mit allen interpretatorischen Wassern gewaschenen Töne-Realisierer: Markus Lindner (Marimba), Susanne Reifeneder (Flöte), Wolfgang Reifeneder (Schlagwerk), Elisabeth Ragl (Cello), Peter Taverno (Oboe), Gerhard Hofer (Klavier) und Werner Mayrhofer (Klarinette). Anerkennender Applaus. BS
VOLKSBLATT 6.3.2002
KULTUR
"grenzenLOS“e Neugierde
"Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche", sagte schon Gustav Mahler, auch er zu seiner Zeit ein "Revolutionär". Diese gesunde Einstellung war sehr intensiv spür- und hörbar beim leider recht spärlich besuchten Konzert des Ensemble "Spektren" in der Brucknerhaus-Reihe "grenzenLOS". Hannes Raffaseder, verantwortlich für Konzept und Organisation, sieht als wichtigste Triebfeder seines kompositorischen Schaffens die Neugier an, Vorhandenes zu hinterfragen oder umzuformen. Der gebürtige Freistädter verfügt über eine breit gefächerte Erfahrung von klassischer Konzertmusik bis hin zum Jazz und vor allem multimedialen Klanginstallationen. Auf dem Programm des 1996 gegründeten Ensemble Spektren standen interessante Kompositionen teils von Hannes Raffaseder selbst wie auch von Helmut Schmidinger, einem der "Gründerväter" des Ensembles, und Gerald Resch, gespielt von jungen engagierten Musikern mit viel Können und Sensibilität.
Überall zieht sich als roter Faden eine Verbindung und Weiterführung mit vorhandenen musikalischen Elementen durch und ergibt so teilweise faszinierende Klangelemente für die, die sie hören wollen und können. Ingrid Feilmayr
OÖ-Nachrichten, Montag, 25. April 2005

Klarinettist Werner Mayrhuber Foto: grox
BRUCKNERHAUS: Für Kinder
Musisches Nashorn: Erbsenmus-Diät
Keine Angst - keine weitere Idee, wie man Kilos verlieren könnte, aber es ist offenbar die Reaktion hungriger Löwen auf subtil geblasene Klänge aus einem Rhinozeros-Horn. So zumindest in Balduin Sulzers jüngstem Streich, der gestern in der Kinderreihe des Brucknerhauses uraufgeführt wurde. Vorlage für das "tierische Musiktheater" ist ein Kinderbuch von Peter Hacks und Stefan Slupetzky, dessen phantasievolle Bilder auch "live" zu sehen waren.
Verliebt in Mozart
"Das musikalische Nashorn"': so auch der Titel - erkennt, dass das Horn auf der Nas' nicht nur zum Kämpfen da ist, sondern auch zur Produktion himmlischer Töne. So verliebt es sich unsterblich in Mozarts Klarinettenkonzert, das nun auch den Kern des einstündigen Vormittags bildete - und das ist ein bisschen viel -, so die Meinung eines kleinen Hörers, der immer wieder meinte, "wann kommt denn endlich eine andere Musik?" Die andere Musik - also die Balduin Sulzers - mit ihren exotischen Schlagzeugklängen (wer kennt schon ein Bambus-"Schüttelxylophon" Namens Anklung?) und den schrägen Einwürfen gefiel schon viel besser. Vor allem auch deshalb, weil das die Handlung, nämlich den Kampf der Nashörner gegen die Löwen, vorantrieb. Das musikalische Nashorn erzielte mit singenden Kämmen und lustigen Melodien eine friedvolle Streitbeilegung, was zum gemeinsamen Anstimmen der "Diät-Hymne" führte. Denn von nun an fressen die Löwen nichts Festeres als Erbsenmus und Ananas.
Bezaubernde Geschichte
Ideenlieferantin Elisabeth Ragl führte am Cello das Ensemble mit Sabine Reiter (Violine), Gerhard Hofer (Klavier) und Wolfgang Reifeneder (Schlagwerk) an. Werner Mayrhuber mimte das Nashorn - durfte aber an Stelle durch die Nase auf der Klarinette blasen, was ein Hochgenuss war. Gerhard Brössner erzählte hinreißend die Geschichte und verzauberte die kleinen Gäste. (wruss)
Kronen-Zeitung, 25.April 2005
Tierisches Musiktheater von Balduin Sulzer im Brucknernaus
Das Nashorn, das Mozart liebt
Begeisterten Beifall gab es am Sonntag für Balduin Sulzers "Das musikalische Nashorn“ im bis auf den letzten Platz ausverkauften Brucknerhaus. Klarinettist Werner Mayrhuber schlüpfte dabei in dem Musiktheater für Kinder ab vier Jahren in die Rolle eines Mozart-Fans aus dem Tierreich.
Foto: grox

"Das musikalische Nashorn", ein Musiktheater von Balduin Sulzer, wurde im Linzer Brucknerhaus uraufgeführt. Heftiger Beifall für das "Ensemble Spektren", das die tierische Geschichte intonierte. Der oberösterreichische Komponist, als Musikkritiker der "OÖKrone" verbunden, komponierte dieses Mal für Kinder.
Als Erzählvorlage wählte Balduin Sulzer das gleichnamige Kinderbuch yon Peter Hacks mit Illustrationen von Stefan Slupetzky. "Das Nashorn wird zum Musikantentier", erklärte Sulzer beim einführenden Gespräch. "Der Klarinettist schlüpft in diese Rolle".
Das musikalische Nashorn taugt als Kampftier nichts, aber es ist ein Fan von Mozarts Klarinettenkonzert. Was letzten Endes Frieden bringt. Sprecher Gerhard Brössner erzählte diese Geschichte beherzt für ein junges Publikum.
Sulzer reduzierte Mozarts Konzert für 40 Musiker auf fünf Instrumente. Eine beachtliche, gefühlvolle Leistung erbrachte Werner Mayrhuber auf der Klarinette. Er wurde von einem perfekt eingespielten "Ensemble Spektren" - Sabine Reiter (Violine), Elisabeth Ragl (Violoncello), Gerhard Hofer (Klavier) und Wolfgang Reifeneder (Percussion) - begleitet. Sulzers Dissonanzen führten Aspekte neuer Musik an Mozart heran und stuften dessen Lieblichkeit auf ein angenehmes Maß zurück. Vera Rathenböck
Neues Volksblatt
Musik kann selbst zwischen wiIden Tieren Frieden stiften
Bezaubernde Sonntagsmatinee im Linzer Brucknerhaus: "Das musikalische Nashorn" rund um die Klarinette

Werner Mayrhuber als "Jungnashorn" mit Artgenossen
Von Christine Grubauer
Volle Zustimmung aus vielen kleinen Kehlen im übervollen Saal fand die Sohntagsmatinee im Brucknerhaus. An Kinder und deren Eltern adressiert, stellte sich "Das musikalische Nashorn" vor. Damit gelang es, Musik rund um die Klarinette und Mozarts Klarinettenkonzert in eine kindgerechte Szenerie zu bringen. Als Komponisten zog man dafür den Wilheringer Balduin Sulzer heran, der mit seinen kompositorischen Einfällen zu Mozarts Musik die aufregende Geschichte um Löwenangriffe auf eine Nashornherde auf den Punkt brachte.
Klarinettensolist Werner Mayrhuber agierte als musikalisch begabtes "Jungnashorn": Als solches verkleidet, spielte er in anschaulicher Folge alle Arten der Holzbläserfamilie von Piccolo bis Bassklarinette durch und ebenso virtuos die Originalmusik aus Mozarts Klarinettenkonzert, das von Sulzers in reizvolle neue Klangumgebungen gebracht wurde. Unterstützend wirkten Sabine Reiter (Violine), Elisabeth Ragl (Cello), Gerhard Hofer (Klavier) und eine von Wolfgang Reifeneder betätigte, große Schlagwerk "Instrumentengalerie".
Die Projektionen auf die Großbildwand stammten von Stefan Stupetzky, der Text aus Peter Hacks titelgebendem Kinderbuch. Der Chor rekrutierte sich aus den Landesmusikschulen (Einstudierung: Andrea Wögerer), als Sprecher fesselte Landestheater-Mime Gerhard Brössner die Kinder mit dramatischen Zwischentexten. Moral von der Geschicht': Musik kann selbst zwischen Tieren Frieden stiften ...
Kulturbericht 6/2005
Balduin Sulzer:
Ein tierisches Musiktheater
Es war einmal eine Nashornherde weit im Süden mit einem aus der Art geratenen Jungtier, das seine üblicherweise gefährliche Nasenzier zum Musizieren insbesondere von Mozart verwendete. Diese Vorliebe brachte es einmal in arge Bedrängnis. Aber mit List, Tücke und Musik zähmte es sogar eine wütende Löwenherde. Und wenn es nicht gestorben ist, produziert es weiterhin seine Frieden stiftenden Melodien.
Unter dem Titel "Das musikalische Nashorn" hat Balduin Sulzer das gleichnamige Kinderbuch von Peter Hacks mit den köstlichen Zeichnungen von Stefan Slupetzky zu einem kindergerechten Stück Musiktheater verwandelt, dessen Uraufführung Alt und Jung im randvollen Großen Saal des Brucknerhauses begeisterte. Und das ging so vor sich: Das besagte Klein-Nashorn (Werner Mayrhuber in Tiermaske) spielte klangschön und sensibel den Solopart von Mozarts berühmtem Klarinettenkonzert. Dessen Orchesterpart hat Sulzer perfekt und zweckentsprechend auf Violine, Cello und Klavier übertragen und außerdem mit Fingerspitzengefühl vielfältige Schlagwerk-Passagen und -Tupfer darunter gemischt. Einige kleine zusätzliche Abschnitte sind nach dem "Nashorn"-Geschmack des 21. Jahrhunderts mit scheinbar falschen Noten ausgestattet.

Das musikalische Nashorn im Brucknerhaus Foto: grox
Die Übrigen kompetenten Mitglieder des "Ensemble Spektren", die Geigerin Sabine Reiter, die Cellistin Elisabeth Ragl, der Pianist Gerhard Hofer und der Schlagwerker Wolfgang Reifeneder, ließen keinen Wunsch offen. Gerhard Brössner vermittelte mit plastischer Rede den Text. Als Projektionen waren die Bilder zu sehen. Die Bühne bevölkerte eine Schar kleiner Löwen (Singschulchor LMS Leonding/Wilhering, Einstudierung Andrea Wögerer). Für Schauen, Hören und Mitsingen war somit gesorgt. Franz Zamazal
Pressereaktionen auf die Uraufführung des Stückes “Der Zeuge” am 13. Mai 2004:
... Genau diese Sparsamkeit bei größtmöglicher Wirkung sucht ihresgleichen in der zeitgenössischen Musikbühnenliteratur. Etwaige Aktualitätsbezüge, die das Thema "Gewalt an Florian" birgt, sind unaufdringlich. Ein Protokoll, das der kaisertreue Statthalter von Norikum, Aquilinus, diktiert, reflektiert Verurteilung und Hinrichtung seines Beamtenfreundes Florian und lässt dessen Leben vorbeiziehen, ohne dass dieser selbst auftritt. - Franz Strasser hat sich diese Rolle in dem Einpersonenstück wie auf den Leib geschrieben. Er spielt sie packend. Gedanken an Florian und dessen mitverantwortetes Schicksal zwischen Staatsräson und Festhaften am christlichen Glauben haben Aquilinus müde gemacht. Der Gewissenskonflikt droht ihn zu erdrücken. Dieses Finale lässt Beklemmung zurück, der auch die Umsetzung des Stückes durch die Regie von Gabriele Schoisswohl und das an Hermann Nitschs Schütttechnik erinnernde Bühnenbild von Marion Bachinger entsprechen. Schlagwerk (Wolfgang Reifeneder), Klarinette (Werner Mayrhuber) und Cello (Elisabeth RagI), auch solistisch eingesetzt, liefern je nach Klangcharakter die passend temperierten Klangbäder, eine aussagestarke, gekonnt gebaute Musik. Die Begeisterung des Publikums kam nicht überraschend.
Neues Volkblatt
... Das Einpersonen-Drama "Der Zeuge. Protokoll einer Erinnerung" handelt vom Leben und Leiden des Märtyrers Florian, vom Selbstdarsteller Statthalter Aquilinus erzählt. Es ist Bericht, Psychodrama und Reflexion. Die erfolgreiche Aufführung in der Stadtpfarrkirche Wels am Donnerstag zeigt ein Stück abseits der üblichen Art, aber anschaulich, wirkungsvoll und gedankenreich.
Franz Strasser als Autor lieferte einen prägnanten Text, den Heiligen als Person aussparend - um Florian aber dreht sich alles. Als Darsteller agiert er facettenreich und intensiv.
Die Musik Helmut Schmidingers verschmilzt mit dem Text, unterstützt ihn, transportiert Emotionen und Akzente. Diese Reduktion auf das Wesentliche ist eine Meisterleistung. Sie findet ihre volle Entsprechung in der packenden Wiedergabe durch Elisabeth Ragl (Violoncello), Werner Mayrhuber (Klarinette) und Wolf gang Reifeneder (Schlagwerk); sie ersetzen ein ganzes Orchester.
Zum Erfolg tragen auch das sparsame Bühnenbild von Marion Bachinger, die unaufdringliche Regie von Gabriele Schoisswohl und letztlich der atmosphärische Kirchenraum bei.
Oberösterreichische Nachrichten
Fulminantes Protokoll
... Dieser Aquilinus legt als "Der Zeuge" ein Protokoll der Erinnerung ab - das zum fulminanten Abend des WeIser Schauspieler Franz Strasser in der Stadtpfarrkirche geriet. Strasser zeigt in seinem eigenen, schlichten, aber sehr ansprechende Text vorerst einen Menschen, der in seiner politischen Macht scheinbar sinnerfüllt aufgeht, aber letztlich durch den "Granitschädel" Florian an die Grenzen seines menschlichen Daseins gelangt. Hin und her gerissen zwischen politisch motivierter Macht, Gehorsam und dem innigen Wunsch, wieder näher in seine Heimat Italien versetzt zu werden, entblößt der Schauspieler immer mehr den Machtmenschen, lässt seine Fassade abbröckeln und spürt einen selbstzweiflerischen Menschen in all seinem Drama auf...
WeIser Rundschau
Copyright by Wolfgang Reifeneder 2005. Sitedesign und Implementierung: Adolf Pilz
Stand: 10.11.2006
